FEUERWEHR EPPELBORN
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Montag, 09.07.2012
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Frank Recktenwald
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Rohbauabnahme des neuen SW 2000 in Görlitz

Vorschau
Die Frontseite des SW 2000. Das Fahrgestell ist ein MAN TGM 13.290. Die Abnahme des Fahrgestells wies keine Mängel auf. Im Bild rechts ist die von der Gemeinde Eppelborn zur Verfügung gestellte Tragkraftspritze
Der Gemeinderat Eppelborn hat im Dezember 2011 die Anschaffung eines Feuerwehrfahrzeuges vom Typ SW 2000 (Schlauchwagen mit 2000 Meter Schlauchmaterial) für die Gemeinde Eppelborn beschlossen (wir berichteten bereits).

In der 27. Kalenderwoche 2012 standen nun die Rohbauabnahme des Fahrzeuges und die Abnahme der Gebrauchsfähigkeit der Beladung an. Das Fahrgestell kommt von der Firma MAN, die feuerwehrtechnische Beladung liefert die Firma C/E/R aus Blieskastel, der Fahrzeugaufbau wird von der Firma IVECO-MAGIRUS gefertigt.

Das von der Wehrführung und Verwaltung entsandte dreiköpfige Abnahmeteam der Feuerwehr Eppelborn, (u. a. mit einem Kfz-Meister und dem hauptverantwortlichen Gerätewart) hatte nun die Aufgabe, die in den Ausschreibungsunterlagen geforderten Positionen zu überprüfen. Zwei Arbeitstage waren nötig, um das Fahrgestell mit der Ausschreibung zu vergleichen und den Aufbau zu kontrollieren. Der Aufbau, bestehend aus einem festem Koffer, zwei Geräteräumen für die Aufnahme der Ausrüstung und einer zweigteilten Ladebordwand soll auf der Ladefläche maximal acht Rollcontainer aufnehmen können. Standardmäßig werden vier davon mit je 500 Meter Schlauchmaterial ständig verlastet sein. Funktionalität und passgenauigkeit der bestellten Rollcontainer wurden mit dem Verlade-, Verzurr- und Sicherungssystem des Fahrzeugaufbaues abgeglichen.

Die in der DIN-Norm geforderte Beladung wurde von dem saarländischen Unternehmen C/E/R nach Görlitz angeliefert. Jede angelieferte Position wurde auf Gebrauchsfähigkeit, Normkonformität, Herstellungsdatum (z.B. unterliegen Feuerwehrleinen einer zeitlich begrenzten Nutzungsdauer) und Vollständigkeit untersucht. Allein die Position "Feuerwehr-Werkzeugkasten" besteht aus 31 Einzelteilen. Beanstandungen wurden protokolliert und werden mit dem Anlieferunternehmen nachbesprochen. Um Kosten einzusparen, wurden von den 66 Positionen der Beladung insgesamt 10 Positionen von der Gemeinde Eppelborn zur Verfügung gestellt. Dies sind vorhandene, noch intakte Gerätschaften des alten, ausgemusterten Schlauchwagens SW 1000, sowie eine vorhandene Tragkraftspritze TS 8/8.

Herzstück eines Schlauchwagens sind B-Schläuche (Innendurchmesser 75 mm), Kernaufgabe ist die Wasserversorgung über lange Versorgungsstrecke. In jedem der vier Schlauch-Rollcontainer müssen je 25 aneinander gekuppelte Schläuche untergebracht werden können (Einzelschlauchlänge 20 m)
Bei der zweitägigen Rohbauabnahme war auch ständig der verantwortliche Konstrukteur der Fa. IVECO-MAGIRUS zugegen. Änderungsvorgaben und Detaillösungen konnten so vor Ort direkt besprochen, teilweise sogar schon sofort durch die Montagemannschaft umgesetzt werden. Wie wird die noch nicht fertige Mannschaftskabine ausgebaut? Wo kommen die Handsprechfunkgeräte hin? Wo ist eine zweckmäßige Verstauung der Handscheinwerfer möglich? Kann der Fahrzeugtank für eine einsatzmäßige "Kanister-Betankung" noch tiefer gesetzt werden? Das waren nur einige Fragen, die es zu klären galt. Mit der Elektro- und Funkabteilung wurde der Einbau des Digitalfunkgerätes erörtert, mit einer Designerin wurden die Fahrzeugbeschriftung und der Konturenverlauf festgelegt.

Die Abnahmeverantwortlichen der Gemeinde Eppelborn haben der Wehrführung und der Gemeindeverwaltung das Protokoll der Rohbauabnahme vorgelegt. Die Dispositionen der Baubesprechung von Februar 2012 wurden genau nach den Konstruktionsplänen umgesetzt.

Der Zwischenstand des Projekts "Schlauchwagen" weist bisher ein technisch sauber verarbeitetes und von dem Aufbauhersteller für den Einsatzdienst zweckmäßig konstruiertes Fahrzeug aus.

Die Fahrzeugbegutachtung der DEKRA, die zeitlich parallel zur Rohbauabnahme erfolgte, bescheinigt dem SW 2000 den straßenverkehrstauglichen Zustand nach StVO (Straßenverkehrsordnung). Die Abnahmepapiere liegen vor, so dass der Endabnahme nichts mehr im Wege steht. Die Endabnahme sieht die Überprüfung des komplett fertigen und beladenen Einsatzfahrzeuges vor. Dabei werden u.a. alle Beladeteile laut "Verleseliste" nochmals überprüft, die Gewichtsbilanz auf einer Fahrzeugwaage festgestellt, die Verarbeitung der Einbauten abgenommen, die Elektro- und Funkanlage getestet und schlussendlich eine Probefahrt durchgeführt.

Die Endabnahme in Görlitz und die anschließende Fahrzeugüberführung nach Eppelborn ist für Anfang August geplant. Durch die permanente Begleitung der Fertigungsmaßnahmen durch eine zweiköpfige Projektgruppe der Feuerwehr Eppelborn konnte der ursprünglich anvisierte Auslieferungstermin "Mitte September" wesentlich verkürzt werden.

Info zum Aufbauhersteller MAGIRUS-IVECO: Der Aufbauhersteller für den SW 2000 ist die Firma "IVECO-MAGIRUS Brandschutztechnik GmbH", welches aus dem Traditionsunternehmen MAGIRUS (Gründung 1864) hervorging. Die Komponente "Schlauchwagen" wird am Fertigungsstandort Görlitz gebaut. Görlitz liegt im Bundesland Sachsen direkt an der polnischen Grenze am Grenzfluss Neiße und ist von Eppelborn ca. 750 km entfernt. Die Hin- und Rückfahrt zur Rohbauabnahme und das Anliefern des zur Verfügung gestellten Materials wurde mit dem neuen Mannschaftstransportfahrzeug des Löschbezirks Habach durchgeführt.

Hintergrund Feuerwehrfahrzeug-Beschaffung
Feuerwehrfahrzeuge werden nicht in Serie hergestellt, dafür ist der Markt in der Kraftfahrzeug-Wirtschaft zu klein. Im Gegensatz zum Technischen Hilfswerk oder zum saarländischen Rettungsdienst sind Einsatzfahrzeuge der Feuerwehr Unikate, da sie nicht zentral beschafft werden.

Der Ablauf einer Feuerwehrfahrzeugbeschaffung beginnt zunächst mit der Berücksichtigung des Brandschutzbedarfs der Gemeinde (einfach gesagt: "Wie viel Feuerwehr braucht eine Gemeinde?") und dem geforderten Einsatzwert für die Gemeinde. In der Bundesrepublik werden Feuerwehrfahrzeuganforderungen in den entsprechenden DIN-Normen aufgelistet (Feuerwehrfahrzeuge: DIN 14500 ff).

Wird ein Feuerwehrfahrzeug ausgeschrieben, werden in der Regel drei Einzelbereiche (Lose) gesondert betrachtet. Los 1 gibt Anforderung an das Fahrgestell wie z.B. zulässige Gesamtmasse, Allradfahrtgestell, Geländefähigkeit. Los 2 betrifft den Fahrzeugaufbau, die Aufnahme von Mannschaft, Gerät und feuerwehrtechnischer Beladung. Los 3 betrachtet die feuerwehrtechnische Beladung, die Feuerwehrgeräte.

Sind nach der Auswertung der Firmenangebote die Lieferanten bestimmt, beginnt die Realisierung mit der ersten Baubesprechung mit dem Aufbauhersteller (Fahrgestell-Lieferant und Beladungs-Lieferant sind von Anfang an mit berücksichtigt). Der erste Konstruktionsplan gibt dann einen Vorschlag für die Verwirklichung, der dem Kunden zur Diskussion vorgelegt wird. Im vorliegenden Fall des SW 2000 für die Gemeinde Eppelborn waren nur vier Konstruktionsentwürfe bis zur Zufriedenheit nötig. Für einen reibungslosen Bauablauf sind nun terminliche Absprachen der Anlieferung von Fahrgestell und feuerwehrtechnischer Beladung nötig, damit die Fertigung beginnen kann. Ist das Fahrgestell hergestellt, ist die erste Kontrolle angesagt.

Im weiteren Verlauf steht in der Regel die Rohbauabnahme durch den Kunden an. Dies bedeutet, dass der Aufbau auf dem Fahrgestellt aufgesetzt ist und die Verstauung der Beladung vor Ort geprüft wird. Änderungswünsche sind nun noch möglich, da die endgültige Montagesicherung und Versiegelung erst danach erfolgt. Details wie Kabinengestaltung, Beschriftung usw. müssen angesprochen werden. Danach erfolgt die Abschlussfertigung, Hauptuntersuchung und Endreinigung.

Bei der Endabnahme wird das "Gesamtwerk" nochmals vom Kunden Schritt für Schritt kontrolliert, alle Funktionsteile, wir Pumpen oder Aggregate werden getestet und abschließend eine Probefahrt durchgeführt. Dann wird ausgeliefert und überführt.

Dieser große Aufwand von baubegleitenden Maßnahmen und Überprüfungen durch sachkundige Vertreter der Gemeinde bzw. Feuerwehr ist zwingend nötig. Vergleicht man die Investitionssumme für ein Feuerwehrfahrzeug mit den Kosten für ein Eigenheim, so hat der steuerzahlende Bürger ein Anrecht, dass ein präzises und nach allen Regeln der Technik gebautes Fahrzeug für die Gefahrenabwehr in der Kommune zur Verfügung steht.